Informationen für Projektjuristen

1.  Wer/was ist Consilio?
Consilio ist in vielen Bereichen der eDiscovery aktiv. Der Begriff eDiscovery umfasst zB Computer-Forensik, Datensammlung, Datenanalyse, Datensicherung und juristische Dokumentenprüfungen. Wir haben unter anderem Büros in Frankfurt, London, Zürich, Brüssel, Tokio, Hongkong, Shanghai und in den USA.

Hinsichtlich der juristischen Dokumentenprüfungen sind unsere Hauptkunden international ausgerichtete Kanzleien und große Unternehmen.

2. Wie habe ich mir die Projektarbeit in der Praxis vorzustellen?
Bei Dokumentenprüfungen übernimmt das Juristenteam Teilaspekte der juristischen Arbeit einer Kanzlei oder von Unternehmensjuristen. An das Juristenteam werden, wenig überraschend, typischerweise jene Arbeitsschritte ausgelagert, die sich besonders zur Auslagerung eignen. Die arbeitsintensive Recherche von komplexen Sachverhalten ist ein klassisches Beispiel; oft wird auch geprüft, ob bestimmte Dokumente die Kriterien eines Herausgabeanspruchs erfüllen – z.B. ein Anspruch der Gegenseite in anglo-amerikanischen Gerichtsverfahren, oder im Zusammenhang mit staatsanwaltlichen Ermittlungen oder behördlichen Untersuchungen.

3. Welche Arten von Projekt gibt es? Welche Rechtsgebiete werden abgedeckt?
Das Prinzip der ausgelagerten Projektarbeit kann auf alle Rechtsgebiete angewendet werden. Es gibt allerdings Arten von Verfahren und Rechtsgebiete, in denen wir besonders oft Dokumentenprüfungen organisieren, zum Beispiel:

  • Kartellrecht
  • Compliance Audits
  • Interne und behördliche Ermittlungen (besonders im Bereich von Korruption und FCPA)
  • Streitige Gerichtsverfahren und generell alle Arten von „dispute resolution“; besonders oft im Rahmen der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit („international arbitration“)

4. Muss ich ein Experte in dem fraglichen Rechtsgebiet oder dem einschlägigen Sektor sein?
Wie viel Erfahrung mit dem wirtschaftlichen Sektor, um den es geht, oder juristisches Fachwissen man mitbringen muss, hängt davon ab, wie die einzelne Dokumentenprüfung konzipiert ist. Es gibt zum Beispiel Dokumentenprüfungen, für die Kenntnisse im Bankenrecht oder Kartellrecht zwingend erforderlich sind; andererseits gibt es Projekte, bei denen konzentrierte, akkurate Arbeit bereits hinreicht; schließlich gibt es Projekte mit ganz eigenen Projektjuristenprofilen – zum Beispiel eine Kombination aus juristischer Erfahrung und bestimmten nicht-juristischem Spezialwissen.

5. Wie wird die Arbeit bezahlt?
Die Arbeit wird brutto auf Stundenbasis bezahlt (der Regelfall ist eine 40-Stunden-Woche). Als Freiberufler sind die Projektjuristen für ihre eigenen steuerlichen Angelegenheiten verantwortlich.

6. Wie lange dauert ein Projekt? Kann ich mitarbeiten, auch wenn ich nur für [n] Wochen zur Verfügung stehe?
Die exakte Dauer eines Projekts lässt sich nur selten vorhersagen, denn die Projekte, an denen wir arbeiten, erstrecken sich häufig über mehrere Länder und die Arbeitsabläufe insgesamt sind recht anspruchsvoll. Gerichtliche und behördliche Fristen werden verschoben; Prozess-Strategien entwickeln sich nicht nur wegen sondern auch während der Arbeit des Projektjuristenteams.

Die meisten unserer Projekte haben eine Dauer von 3 bis 5 Wochen; gleichzeitig sind mehrmonatige Projekte nicht die Ausnahme. Letztendlich ist die Dauer eines Projekts den Endkunden vorbehalten – und somit naturgemäß ungewiss. Kurzfristige Einstellungen eines Projekts sind jedoch die Ausnahme, und wir geben alle wichtigen Informationen, die wir dahingehend haben, transparent an unser Projektjuristenteam weiter.

7. Ich habe bestehende Mandate und Gerichtstermine, die ich wahrnehmen muss. Kann ich nebenher als Anwalt weiterarbeiten?
Wir sind uns bewusst, dass gerade erfahrenere Projektjuristen existierende Mandate betreuen müssen, und wir geben uns Mühe, auf persönliche Rahmenbedingungen dieser Art einzugehen. Dies vorhergeschickt wollen wir natürlich auch unsere Kunden zufrieden stellen und qualitativ hochwertige Arbeit abliefern. Weil unsere Kunden mit Recht erwarten, dass ihr Projekt Vorrang hat, sollte somit die Projektarbeit grundsätzlich als vollzeitlich betrachtet werden.

Bei allen Projekten müssen wir darauf bestehen, dass niemand vom Projektjuristenteam zumindest in der ersten Arbeitswoche Termine hat, die mit den Kernarbeitszeiten des Projekts kollidieren.

Selbstverständlich ist Arbeit an den eigenen Mandaten außerhalb der projektbezogenen Arbeitszeiten (in der Regel eine 40-Stunden-Woche) immer möglich.

8. Ist es möglich, von zuhause aus zu arbeiten?
Unsere ISO-Zertifizierung für Informationssicherheit erfordert Arbeit vor Ort, d.h. entweder bei unseren Kunden oder in einem der Consilio Review-Zentren.

9. Teamarbeit?
Ja, eine notwendige Bedingung. Die Projektarbeit erfordert zwingend respektvollen Umgang mit Teamkollegen und großen Enthusiasmus für Teamarbeit generell. Juristen, denen dies schwer fällt, empfehlen wir ausdrücklich, sich bei unserer Konkurrenz zu bewerben.

10. Warum Projektarbeit?
Projektarbeit ist durchaus speziell und jeder muss für sich selbst entscheiden, ob die Vorteile der Projektarbeit die Nachteile aufwiegen. Unsere ganz persönliche Meinung ist wie folgt:

Nachteile

  • Die Arbeit muss nicht, kann aber repetitiv sein. Es gibt Tage, an denen man ausschließlich irrelevante Dokumente sichtet und wenig dazulernt.
  • Im Gegenzug kann die Anfangsphase anspruchsvoll sein, da man viel Hintergrundinformationen und materiell-inhaltliche Instruktionen zur Prüfung verarbeiten muss. Abseits davon ist die Arbeit selten juristisch prickelnd, und die Herausforderung liegt eher darin, zuverlässig akkurat zu arbeiten.
  • Der Arbeitsablauf ist stets so gestaltet, dass man sich durch eine Bewertungsmatrix durchklickt. Das heißt, Bewertungen werden fast nie ausformuliert sondern per Klick automatisiert und kategorisiert. Manche Juristen empfinden das als eine angenehme Abwechslung; andere stören sich daran, dass die Art der Arbeit das Vollbringen juristischer Glanzleistungen nicht vorsieht.
  • Für die Dauer des Projekts muss man sich an die Anweisungen anderer halten, unabhängig davon, wie sinnvoll diese einem erscheinen.
  • Projektjuristen und eDiscovery Dienstleister haben keine Kontrolle über die Projektdauer. Projekte können stets ohne Vorwarnung enden.

Vorteile

  • Teamarbeit macht oft Spaß und ist fast immer unterhaltsam; wir geben uns in unserem Eigeninteresse aufrichtig Mühe, nette Projektjuristen zu rekrutieren. Außerdem stehen viele Projektjuristen noch am Anfang ihres beruflichen Werdegangs und freuen sich darüber, sich mit anderen jungen Juristen austauschen zu können.
  • Im Rahmen der Projektarbeit lernt man den Sektor, in dem die Prüfung stattfindet, noch besser kennen und erwirbt nützliches nicht-juristisches Wissen.
  • Die Bezahlung ist ganz ordentlich und zeichnet sich im Besonderen doch ein vorteilhaftes Verhältnis zwischen kognitiver Anstrengung und Bezahlung aus.
  • Der Verwaltungsaufwand für die Projektarbeit ist vergleichsweise gering; zahllose Rechnungen für viele Mandanten entfallen; die Arbeit wird zuverlässig und wöchentlich bezahlt.
  • Bei Projekten, die bei unseren Kunden vor Ort durchgeführt werden, ist die Zusammenarbeit mit den Unternehmensjuristen oder den Kanzleijuristen sehr eng. Gerade jüngere Projektjuristen empfinden den sehr intensiven Kontakt mit Kanzleien und Unternehmensjuristen als hilfreich und der Karriere förderlich.
  • Nicht selten ist die Projektarbeit inhaltlich interessant. In der Regel geht es um umfangreiche, komplexe, grenzüberschreitende Verfahren, denen man im normalen Juristenalltag nur in Ausnahmefällen begegnen würde.

11. Wo kann ich mich bewerben? Wie funktioniert der Prozess insgesamt?
Bei Interesse bitte Lebenslauf an reviewers-eu@consilio.com senden; ein langes Anschreiben ist absolut nicht erforderlich. Wir freuen uns auf Ihren Lebenslauf und bemühen uns um eine prompte Bearbeitung. Gerade in der Vorbereitung größerer Projekte kann es jedoch manchmal zu längeren Wartezeiten kommen. Wir bitten darum, dies nicht persönlich zu nehmen – das ist den speziellen Umständen geschuldet. Vergessen haben wir noch niemanden.